
Am 11. April 2026 hat Papst Leo XIV. angesichts der prekären Weltlage zu einem Gebet für den Frieden in den Petersdom geladen. Viele Menschen sind dieser Einladung gefolgt und haben nicht nur in Rom, sondern auch an vielen Orten der Welt für den Frieden gebetet, ebenso in Vorarlberg. Besonders in der Karwoche sowie bei seiner zehntägigen Afrikareise, die letzten Donnerstag endete, hat der Papst klare, eindringliche Worte für den Frieden gefunden. Unmissverständlich prangert er Krieg und Gewalt an und mahnt verstärkte Bemühungen um friedliche Lösungen der weltweit tobenden Konflikte ein.
Mehr und mehr wendet sich Papst Leo gegen die Vereinnahmung des Glaubens zur Legitimierung von Gewalt. Am Palmsonntag und in seiner Osterbotschaft sagte er, dass man mit Gott keinen Krieg rechtfertigen kann. Zudem griff er auf ein sehr eindringliches Bild des Propheten Jesaja zurück und sprach davon, dass Gott die Gebete derer, die Krieg führen, nicht erhört, da an ihren Händen Blut klebt. Und bei seiner Ansprache im Rahmen des Friedensgebetes sagte er: „Es ist Zeit für den Frieden! Setzt euch an den Tisch des Dialogs und der Vermittlung, nicht an die Tische, an denen die Aufrüstung geplant und tödliche Maßnahmen beschlossen werden!“ Gewichtige Worte, doch werden sie gehört?
Einer, der nicht namentlich genannt wird, sich aber offenbar von den Worten des Papstes gemeint fühlt, ist der Präsident der Vereinigten Staaten. Donald Trump attackiert Papst Leo scharf für dessen konsequente Ablehnung des Krieges und sein klares Eintreten für den Frieden. Offenbar will er keinen Papst, der es wagt, ihn zu kritisieren. Papst Leo geht es jedoch um etwas ganz anderes. Denn in der Instrumentalisierung von Glaube und Religion, wie sie bei mehreren Regierungen der Welt derzeit zu beobachten ist, zeigt sich eine gefährliche Entwicklung. Eine solche Vermengung ist Gift, für die Kirchen und die Gesellschaft gleichermaßen. Und wenn der amerikanische Verteidigungsminister kürzlich meinte, man solle dafür beten, dass im Iran-Krieg „jede amerikanische Kugel ihr Ziel finden möge“, wird die ganze Ungeheuerlichkeit einer solchen Vereinnahmung des Glaubens offenbar.
Ich bin Papst Leo für seine klaren Worte dankbar. Er ist kein Politiker und noch weniger der Kontrahent von Staatsoberhäuptern. Er ist ein Zeuge des Evangeliums, der für die Wahrheit des Evangeliums und für viele Unterdrückte und Leidende die Stimme erhebt. Zwar verfügen er und der Vatikan über keine Truppen, um ihre Ziele umzusetzen, wie Josef Stalin bei der Konferenz von Jalta einst höhnisch bemerkte. Seine Macht liegt viel eher in der Kraft seiner Botschaft und im Gewicht der Worte. Papst Leo erinnert uns in der Linie aller anderen Päpste vor ihm daran, dass im Letzten allein der Friede ein Klima des Lebens schafft. Nur in friedvollen Zeiten können Kinder auf eine gute Zukunft bauen. Nur in friedvollen Zeiten können Menschen frei atmen und in Würde leben. Gerade die Botschaft Jesu zeigt uns, dass Gott einen anderen Plan mit der Menschheit hat: nicht Krieg, Tod und Vernichtung, sondern Friede, Geschwisterlichkeit und Hoffnung für alle Menschen. Nur so ist jenes „Leben in Fülle“ (Johannes 10,10) möglich, von dem wir an diesem Sonntag in den Gottesdiensten hören und für das wir uns nach Kräften einsetzen müssen.
Bischof Benno Elbs