
Die Ostererfahrung der Jüngerinnen und Jünger Jesu beginnt mit dem offenen Grab. Der Stein, der das Grab Jesu verschlossen hatte, war weggewälzt. Das Unglaubliche wurde Wirklichkeit: Gott hat Jesus von den Toten auferweckt.
Jedes Jahr um diese Zeit machen Umfragen hellhörig. Sie zeigen, dass sich viele mit einem Leben nach dem Tod schwertun. Während früher die Gefahr der Jenseitsvertröstung groß war, erleben wir heute eine Art „Diesseitsvergötterung“. Ist uns der Gedanke an ein „Mehr“ fremd geworden? Haben uns die Kriege und Krisen hoffnungsarm gemacht? Es scheint, als würde uns heute ein Stein den Zugang zur Hoffnungsbotschaft von Ostern wieder versperren.
Eine ganz andere Erfahrung machte ich letzte Woche bei einem Schulbesuch. Auf die Frage, ob sie an ein Leben nach dem Tod glauben, antwortete der Großteil der Jugendlichen mit Ja. Und sie erzählten von bewegenden Erlebnissen, durch die sie die Hoffnung auf Auferstehung für ihr eigenes Leben neu entdeckt haben.
Auferstehung hat auch mit Aufstand zu tun: mit einem Aufstehen für das Leben und mit einem Widerspruch gegen alles, was es niederhält. Sie zeigt sich dort, wo Menschen den Stein von Resignation oder Hoffnungslosigkeit wegwälzen und neue Schritte wagen. Solche Momente lassen etwas von der göttlichen Kraft aufscheinen, die zu Ostern wirksam wird. Denn der Grund unserer Hoffnung liegt nicht im Menschen selbst, sondern in dem, was Gott an Jesus getan hat: in seiner Auferweckung von den Toten. Darum berühren mich besonders die Lebenszeugnisse jener Menschen, die – oft gegen alle Erwartungen – ihren Weg zurück ins Leben gefunden haben. In ihrem Aufstehen wird sichtbar, was wir zu Ostern feiern: dass das Leben, das Gott schenkt, stärker ist als alles, was ihm entgegensteht. Es gibt kein Leben ohne Hoffnung.
Ihnen und Ihren Lieben wünsche ich ein gesegnetes Osterfest.
Bischof Benno Elbs